
ADHS-Verdacht oder unreife Reflexe? Wie ich genauer hinschaue
„Ihr Kind ist unkonzentriert, impulsiv, kann nicht stillsitzen – haben Sie schon mal an ADHS gedacht?“ Diesen Satz hören viele Eltern, oft von der Kita, manchmal auch aus der Schule. Und er löst etwas aus: Sorge, vielleicht auch das Gefühl, mit der Vermutung allein gelassen zu werden.
Ich möchte dir dazu keine Entwarnung geben, die nicht stimmt. Aber ich möchte dir eine zweite Perspektive anbieten, bevor die erste zur einzigen wird.
Wo sich die Bilder überschneiden
Unruhe, Impulsivität, ständige Reizsuche, Schwierigkeiten, bei einer Aufgabe zu bleiben – all das sind typische Beschreibungen bei ADHS. Es sind aber auch typische Beschreibungen bei Kindern, deren frühkindliche Reflexe noch nicht vollständig integriert sind.
Der Grund dafür ist nachvollziehbar: Wenn das Nervensystem eines Kindes ständig Energie für unbewusste motorische Selbstregulation aufwenden muss – Gleichgewicht halten, Sitzposition austarieren, Reize filtern –, bleibt weniger Kapazität für das, was von außen wie „Konzentration“ aussieht. Das Kind wirkt dann unruhig, fahrig, leicht ablenkbar. Nicht, weil es nicht wollte. Sondern weil sein System gerade mit etwas anderem beschäftigt ist.
Was ich mir genauer anschaue
Bevor ich in Richtung neuromotorische Unreife denke, schaue ich mir gemeinsam mit den Eltern ein paar Dinge an:
Die Geschichte: Wie verliefen Schwangerschaft, Geburt und die ersten Lebensmonate? Gab es Kaiserschnitt, Frühgeburt, wenig Bauch- oder Krabbelzeit? Das sind keine Vorwürfe, sondern Hinweise – solche Umstände können die natürliche Reifung der Reflexe beeinflussen.
Das Bewegungsbild: Wie sitzt, steht, läuft das Kind? Gibt es Muster wie W-Sitz, Zehenspitzengang oder auffällige Ungeschicklichkeit (dazu mehr in meinem letzten Beitrag)?
Die konkreten Reflexe: Mit gezielten Tests lässt sich feststellen, ob einzelne frühkindliche Reflexe – etwa der Moro-Reflex, der ATNR oder der symmetrisch-tonische Nackenreflex (STNR) – noch aktiv sind und welchen Einfluss das auf Konzentration und Verhalten haben könnte.
Das eine schließt das andere nicht aus
Wichtig ist mir: Es geht nicht darum, eine ärztliche ADHS-Diagnose zu widerlegen oder zu ersetzen. Neuromotorische Unreife und ADHS können nebeneinander bestehen, sich überschneiden oder eines das andere verstärken.
Manche Kinder mit ADHS-Diagnose profitieren spürbar von einer neuromotorischen Förderung, weil sie eine Baustelle bearbeitet, die vorher nicht im Blick war. Andere Kinder zeigen ADHS-ähnliche Symptome, obwohl gar keine Diagnose vorliegt – und bei ihnen zeigt sich in der Testung, dass tatsächlich die Reflexreife der entscheidende Hebel ist.
Genau deshalb lohnt sich der genauere Blick, bevor man sich für einen Weg entscheidet.
Ein erster Schritt
Wenn dir dieser Verdacht gerade begegnet – sei es von der Kita, der Schule oder aus eigener Beobachtung – und du wissen möchtest, ob neuromotorische Unreife eine Rolle spielt: Mit meinem 20-Fragen-Check bekommst du eine erste Einschätzung. Oder wir sprechen in einem kostenlosen Erstgespräch in Ruhe darüber, was du bei deinem Kind beobachtest.
Kraftspuren – Neuromotorische Entwicklungsförderung in Potsdam-Babelsberg
